Matchball abgewehrt: Eisbären zeigen Comeback Qualitäten in der ÖVB Arena
Mit dem Rücken zur Wand haben die Eisbären Bremerhaven ihre stärkste Halbzeit dieser Playoff-Serie abgeliefert. Nach einem schwierigen Start kämpften sich die Bremerhavener gegen Phoenix Hagen zurück, dominierten die zweite Hälfte und gewannen verdient mit 85:75. Die Halbfinalserie ist damit wieder ausgeglichen: es kommt zum entscheidenden fünften Spiel. Topscorer der Partie war Jemarl Baker mit 15 Punkten.
Die Eisbären haben am Donnerstagabend geschafft, was sie sich vorgenommen hatten: den Matchball abzuwehren und damit die Entscheidung um den Finaleinzug zu vertagen. Doch zu Beginn sah es überhaupt nicht danach aus, als würde dieser Plan aufgehen. Anders als noch in Spiel 3, wo die Eisbären mit einem 0:6-Lauf in die Partie gestartet war,diktierten diesmal die Feuervögel am Anfang das Geschehen. Ein 0:7-Lauf zum Auftakt stellte die Eisbären früh vor Probleme. Erst nach knapp dreieinhalb Minuten gelangen Jannis von Seckendorff die ersten Bremerhavener Punkte (2:10). Phoenix blieb treffsicher, die Eisbären hingegen fanden keinen Weg in die Hagener Zone und aus der Distanz klappte ebenfalls nichts. Bjarne Kraushaar erhöhte auf den höchsten Hagener Vorsprung des ersten Viertels (10:23), Jemarl Baker verkürzte kurz vor der Sirene noch auf 13:23, aber der Rückstand war deutlich und verdient.
Auch im zweiten Abschnitt liefen die Eisbären der Hagener Führung hinterher. Carlos Carter eröffnete das Viertel mit dem ersten erfolgreichen Dreier der Eisbären zum 16:23, doch Phoenix stellte den zweistelligen Abstand immer wieder her. Die Eisbären mussten sich offensiv jeden Punkt hart erarbeiten, während die Gäste immer wieder einfachere Lösungen fanden. Tim Uhlemann traf aus der Distanz zum 26:36, Carlos Carter und Peter Hemschemeier hielten wenigstens den Anschluss (30:36). Jedes Mal, wenn Bremerhaven ein paar Punkte aufholte, stellten die Gäste den Abstand postwendend wieder her; zuletzt durch Tim Uhlemanns And-One zum 34:43. Mit 36:45 ging es dann in die Halbzeitpause. Neun Punkte Rückstand, schwache Dreierquote, aber ein Team, das nicht aufgehört hatte zu kämpfen und im zweiten Viertel wieder mit Hagens Offensive mithalten konnte (Eisbären 23 Punkte, Phoenix 22 Punkte).
Was nach dem Seitenwechsel folgte, war die beste Phase der Eisbären in dieser Halbfinalserie. Die Eisbären kamen mit deutlich mehr Energie aus der Kabine. Lorenz Brenneke eröffnete die zweite Hälfte nach schönem Zuspiel von Elijah Miller, Adrian Breitlauch setzte mit einem starken Steal direkt das nächste Signal. Bremerhaven verteidigte nun aggressiver, spielte schneller und arbeitete sich Punkt für Punkt zurück. Jordan Samare und Elijah Miller verkürzten von der Freiwurflinie, ehe Jemarl Baker nach einer hektischen Sequenz eiskalt den Dreier zum Ausgleich traf: 47:47. Keine dreißig Sekunden später zog Baker in die Zone und erzielte die erste Bremerhavener Führung des Abends (49:47). Die ÖVB Arena explodierte.
Was folgte, war ein wildes Hin und Her. Die Partie wurde emotionaler, intensiver und deutlich lauter. Dennis Nawrocki brachte Phoenix mit einem glücklichen Dreier wieder in Front (49:50), Elijah Miller drehte das Spiel sofort zurück (51:50). Devin Schmidt, Carlos Carter, Bjarne Kraushaar, Elijah Miller (56:54)– die Führung wechselte mehrfach, doch am Ende hatten die Eisbären die Nase vorn. Das dritte Viertel ging mit 24:13 klar an die Hausherren. Eine bemerkenswerte Leistung in einem Spiel, nach diesem Fehlstart. Besonders bitter für Phoenix: Anzac Rissetto ließ in dieser Phase gleich vier Freiwürfe in Folge liegen und so ging es mit 60:58 ins Schlussviertel.
Im Schlussabschnitt verwalteten die Eisbären die Führung zunächst souverän und bauten sie weiter aus. Lorenz Brenneke erhöhte per And-One auf 65:60, Carlos Carter legte mit einem Tip-In nach (67:60) und trug die Eisbären mit viel Energie weiter voran. Devin Schmidt musste rund fünf Minuten vor Schluss mit seinem fünften Foul vom Feld: ein herber Verlust für Phoenix. Adrian Breitlauch traf mit einem Dreier die bis dahin höchste Eisbären-Führung (70:62). Headcoach Chris Harris reagierte mit einer Auszeit, doch die Eisbären waren nicht mehr zu stoppen. Jemarl Baker versenkte erst einen wilden Dreier, setzte sich etwas später stark unterm Korb durch (76:69), und legte dann einen präzisen Pass auf Raphael Falkenthal, der aus der Distanz konsequent abschloss und die Eisbären erstmals auf zweistellige Führung brachte (79:69). Tim Uhlemann und Bjarne Kraushaar hielten Phoenix noch einmal im Spiel (81:75), doch wieder antwortete Jemarl Baker (83:75). Bei noch verbleibenden 27 Sekunden verwertete Elijah Miller noch zwei Freiwürfe zum 85:75 – und spätestens jetzt war die Partie entschieden. Hagen kapitulierte.
Steven Esterkamp sah nach dem Spiel zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten: „In der ersten Hälfte hat Hagen uns mit seiner aggressiven Verteidigung vor große Probleme gestellt. Wir haben nicht gut gespielt und nur schwer in unseren Rhythmus gefunden. Nach der Pause waren wir defensiv deutlich besser und haben uns offensiv die besseren Möglichkeiten erarbeitet.“ Esterkamp lobte zudem die Intensität der gesamten Serie: „Es war wieder ein großartiger Kampf beider Mannschaften, so wie jedes Spiel dieser Serie bisher. Natürlich freuen wir uns, dass wir am Samstag noch einmal nach Hagen fahren dürfen.“
Die Eisbären haben somit bewiesen, dass mit ihnen bis zum Ende zu rechnen ist. Sie entschieden die Partie vor allem mit ihrer starken zweiten Halbzeit und zeigten nach dem schwachen Start eindrucksvoll Moral. Gleich fünf Bremerhavener punkteten zudem zweistellig: Jemarl Baker (15), Elijah Miller und Carlos Carter (je 14), Lorenz Brenneke (13) sowie Jordan Samare (10). Der Traum vom Aufstieg in die easyCredit BBL lebt weiter. In der Ischelandhalle wird am Samstag die endgültige Entscheidung fallen.
Finales Spiel des Halbfinales in der Ischelandhalle in Hagen
Das fünfte und somit finale Spiel der Serie gegen die Phoenix Hagen wird wieder in der Ischelandhalle in Hagen gespielt. Tip-Off der Partie ist am Samstag, den 30.05.2026 um 19:30 Uhr.
Eisbären Bremerhaven - Phoenix Hagen 85:75 (36:45)
Topscorer Eisbären Bremerhaven: Jemarl Baker (15 Punkte, 4 Assists), Elijah Miller (14 Punkte, 4 Assists, 4 Rebounds), Carlos Carter (14 Punkte, 6 Rebounds)
