Eisbären diktieren Spiel 2 und gleichen die Serie aus
Die Eisbären Bremerhaven haben im Halbfinale der ProA-Playoffs eindrucksvoll zurückgeschlagen. Vor ausverkauftem Eisbärenkäfig besiegten die Bremerhavener Phoenix Hagen mit 87:80 und glichen die Serie zum 1:1 aus. Über drei Viertel nahmen die Eisbären dem offensivstarken Hauptrundensieger fast komplett den Rhythmus. Erst spät wurde Phoenix noch einmal gefährlich, doch da hatten sich die Gastgeber ihr Polster längst erarbeitet. Topscorer der Eisbären war Elijah Miller mit 16 Punkten.
Draußen zeigte das Thermometer sommerliche 26 Grad, in der Stadthalle wurde es schnell genauso hitzig. Nach der knappen Niederlage in Hagen wollten die Eisbären direkt antworten und ihre Heimstärke ausspielen. Zudem gab es vor dem Spiel positive Nachrichten: Jemarl Baker kehrte zurück in den Kader. Zusätzlich stand überraschend Dominique Johnson zum zweiten Mal in dieser Saison im Aufgebot.
Die Partie brauchte offensiv zunächst etwas Anlauf. Beide Teams verteidigten aggressiv, viele Angriffe endeten früh unter Druck. Nach knapp zwei Minuten erzielte Peter Hemschemeier die ersten Punkte des Abends, ehe sich die Eisbären langsam einspielten. Jordan Samare attackierte konsequent den Korb, Jannis von Seckendorff sorgte für Präsenz unter dem Brett und Baker brachte direkt Energie ins Spiel. Schnell stand es 8:2. Erst spät kam Phoenix etwas näher heran, dennoch ging Bremerhaven mit einer verdienten 16:11-Führung in die Viertelpause.
Im zweiten Abschnitt lag das Momentum klar auf Seiten der Bremerhavener. Die Eisbären zogen Phoenix jetzt komplett den Zahn. Jordan Samare und Carlos Carter erhöhten zunächst auf 20:11, ehe Jemarl Baker per Dreier erstmals in dieser Serie eine zweistellige Führung herstellte (23:12). Anders als noch in Hagen wirkten die Eisbären deutlich kontrollierter. Zwar ließen sie in der Anfangsphase noch einige gute Chancen liegen, defensiv machten sie Phoenix das Leben jedoch schwer. Besonders die sonst so explosive Hagener Offensive fand kaum Tempo. Chris Harris reagierte früh mit einer Auszeit, ohne Erfolg. Spätestens jetzt wurde das Spiel endgültig hitzig. Nach einem unsportlichen Foul von Marcus Graves kassierte auch Phoenix-Headcoach Chris Harris ein technisches Foul. Die Halle kochte, die Hagener verloren zunehmend die Ruhe und die Eisbären nutzten genau das konsequent aus.
Raphael Falkenthal verwandelte seine Freiwürfe sicher, Lorenz Brenneke stopfte den Ball spektakulär zum 30:14 durch den Ring und Elijah Miller traf wenig später den Dreier zur 38:18-Führung. Die Eisbären diktierten nun komplett das Spiel. Phoenix kam offensiv kaum noch zu klaren Abschlüssen und traf zur Halbzeit nur 35 Prozent seiner Würfe aus dem Feld. Noch schwächer viel nur die Dreierquote aus. Gerade einmal 2 von 16 Distanzwürfe (13%) trafen ihr Ziel. Auch wenn bei den Bremerhavener Quoten noch Luft nach oben blieb, spielten die Eisbären insgesamt deutlich zielstrebiger, bewegten den Ball besser und traf ihre offenen Würfe konsequenter. Zwischenzeitlich lagen die Gastgeber sogar mit 24 Punkten in Front (42:18). Erst kurz vor der Pause verloren die Eisbären etwas den Zugriff. Ein 1:12Lauf der „Feuervögel“ verkürzte den Rückstand zur Halbzeit auf 43:30.
Doch auch nach dem Seitenwechsel blieb das Bild zunächst gleich. Die Eisbären hielten Phoenix weiter konsequent aus dem Rhythmus. Adrian Breitlauch eröffnete die zweite Halbzeit, Carlos Carter traf den Dreier zum 52:32 und Peter Hemschemeier überzeugte auch defensiv mit wichtigen Aktionen. Hagen wirkte zunehmend frustriert, während die Eisbären offensiv immer wieder die richtigen Entscheidungen trafen. Besonders von außen funktionierte nun vieles besser. Raphael Falkenthal, Jemarl Baker und Adrian Breitlauch trafen wichtige Dreier, insgesamt verwandelten die Eisbären starke 47 Prozent ihrer Distanzwürfe. Die Hagener Defensive bekam kaum Zugriff auf das Bremerhavener Ballmovement. Beim 65:43 kurz vor Ende des dritten Viertels schien die Partie bereits entschieden.
Doch Phoenix wäre nicht Hauptrundensieger geworden, wenn das Team sich einfach ergeben würde. Mit Beginn des Schlussviertels änderte sich das Spiel plötzlich komplett. Die Eisbären verloren etwas ihre defensive Aggressivität, ließen an der Freiwurflinie Punkte liegen und spielten offensiv nicht mehr mit derselben Klarheit. Gleichzeitig traf Phoenix nun endlich schwierige Würfe. Tim Uhlemann, Dominick von Waaden und Marcus Graves brachten die Gäste Stück für Stück zurück ins Spiel. Spätestens nach Uhlemanns Dreier zum 72:63 war die Partie wieder offen. Die zuvor dominante Bremerhavener Führung schmolz plötzlich rapide zusammen. Als Bjarne Kraushaar auf 69:76 verkürzte, wurde es noch einmal richtig unruhig in der Halle.
Doch anders als noch in Hagen behielten die Eisbären diesmal die Kontrolle. Elijah Miller traf den vielleicht wichtigsten Dreier des Abends zum 79:69, Raphael Falkenthal blieb an der Linie fehlerfrei und auch Miller selbst zeigte in der Schlussphase keine Nerven. Zwar verkürzte Phoenix noch einmal auf 87:80, wirklich kippen konnte das Spiel jedoch nicht mehr.
Nach dem offensiven Schlagabtausch in Spiel 1 entwickelte sich das zweite Halbfinale damit zu einem völlig anderen Spiel. Es war gewiss nicht das unterhaltsamste Spiel der Playoffs und besonders in der zweiten Hälfte zäh, da der Spielfluss durch viele Fouls und Turnrover unterbrochen wurde. Insgesamt weniger Spektakel, mehr Physis und vor allem deutlich mehr Defense auf Seiten der Eisbären liefern am Ende das nötige Ergebnis. Den Bremerhavenern gelang es, das Hagener Offensivfeuer über weite Strecken fast komplett zu löschen.
Eisbären-Headcoach Steven Esterkamp zeigte sich nach dem Spiel vor allem mit dieser defensiven Leistung seiner Mannschaft zufrieden: „Es war vielleicht kein besonders schönes Spiel, aber defensiv haben wir heute einen richtig guten Job gemacht. Nach dem ersten Spiel haben wir klar angesprochen, was wir besser machen müssen, und das hat die Mannschaft umgesetzt.“ Gleichzeitig verwies Esterkamp auch auf die schwierige Schlussphase: „Es war ein sehr physisches Spiel und im letzten Viertel hatten wir Probleme, 35 Punkte für Hagen sprechen da eine deutliche Sprache.“ Trotz des wichtigen Heimsiegs bleibt der Bremerhavener Headcoach jedoch zurückhaltend: „Natürlich freuen wir uns über den Sieg und den Ausgleich. Aber es steht erst 1:1. Passiert ist noch nichts.“
Mit dem 87:80-Erfolg gleichen die Eisbären die Halbfinalserie zum 1:1 aus. Jetzt geht es zurück nach Hagen und es steht fest, dass diese Serie über mindestens 4 Spiele ausgetragen wird.
Drittes Spiel des Halbfinales in der Ischelandhalle in Hagen
Das dritte Spiel der Serie gegen die Phoenix Hagen wird wieder der Ischelandhalle in Hagen gespielt. Tip-Off der Partie ist am Dienstag, den 26.05.2026 um 19:30 Uhr.
Eisbären Bremerhaven - Phoenix Hagen 87:80 (43:30)
Topscorer Eisbären Bremerhaven: Elijah Miller (16 Punkte, 4 Assist, 3 Rebounds), Raphael Falkenthal (13 Punkte, 3 Assist), Jemarl Baker (11 Punkte, 3 Assists, 4 Rebounds)
